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RAID 5 vs. RAID 6: Wie unterscheidet sich die Paritätsberechnung?

Prüfungsrelevanz: IHK AP1 und AP2, Handlungsbereich „Sicherstellen des IT-Betriebs". Typisches Szenario: Für einen Dateiserver mit 6 Festplatten à 4 TB soll ein RAID-Verbund gewählt werden, der den Ausfall einer bestimmten Anzahl von Platten verkraftet.

Quick Reference

RAID 5 legt eine Paritätsinformation pro Datenblock an und verkraftet den Ausfall genau einer Platte. RAID 6 erzeugt zwei unabhängige Paritätsblöcke (P und Q) und verkraftet den Ausfall zweier Platten.

Kapazitätsformel: RAID 5 = (n − 1) × Plattengröße, RAID 6 = (n − 2) × Plattengröße — wobei n die Gesamtzahl der Platten ist.

Die Parität wird per XOR-Verknüpfung über die Datenbits der beteiligten Platten berechnet. Bei genau einer Parität gilt: P = D1 ⊕ D2 ⊕ D3. Fällt eine Platte aus, lässt sich ihr Inhalt aus den verbleibenden Daten plus Parität rekonstruieren.

Worked Example: 6 Platten à 4 TB

Schritt 1 — Nettokapazität berechnen.

RAID 5: (6 − 1) × 4 TB = 20 TB   → 4 TB Parität, 1 Platte Ausfalltoleranz
RAID 6: (6 − 2) × 4 TB = 16 TB   → 8 TB Parität, 2 Platten Ausfalltoleranz

Schritt 2 — Schreib-Last bewerten. Jeder Schreibvorgang auf ein Datenelement erfordert das Neuschreiben der Parität.

RAID 5: 1 Datenblock + 1 Paritätsblock
RAID 6: 1 Datenblock + 2 Paritätsblöcke  → Write Penalty ~50 % höher

Schritt 3 — Nutzwert bewerten.

Kriterium RAID 5 RAID 6
Minimale Platten 3 4
Ausfalltoleranz 1 Platte 2 Platten
Netto (6×4 TB) 20 TB 16 TB
Write Penalty 2 Schreibzugriffe 3 Schreibzugriffe

Schritt 4 — Entscheidung begründen. Bei 6 Platten und hoher Verfügbarkeitsanforderung ist RAID 6 zu wählen: Die Wiederherstellung nach einem Plattenausfall kann bei 4-TB-Platten mehrere Stunden dauern — in dieser Zeit wäre ein RAID 5 ohne Redundanz und ein zweiter Ausfall fatal.

Common Trap

Der klassische Fehler: Die Kapazitätsformel verwechseln und bei RAID 6 (n − 1) rechnen. Gemerkt: RAID 6 = „zwei Paritäten, zwei Platten Verlust".

Zweite typische Falle: Die Ausfalltoleranz mit der Anzahl Paritätsplatten gleichsetzen. Bei RAID 6 kann jede der n Platten die Parität enthalten — es gibt keine feste Paritätsplatte. Fällt eine beliebige Platte aus, sind beide Paritätsblöcke weiterhin vorhanden.

Dritte Falle in AP2: RAID ersetzt kein Backup. Die IHK-Punktvergabe erwartet diesen Satz explizit — RAID schützt gegen Hardware-Ausfall, nicht gegen Löschung, Ransomware oder Brand.

Erweiterte Betrachtung: Warum die Rebuild-Zeit entscheidend ist

Bei grossen Platten steigt die Rebuild-Dauer überproportional: Eine 4-TB-Platte benötigt je nach Controller und Last mehrere Stunden bis über einen Tag. In dieser Zeit läuft das Array degradiert — bei RAID 5 ohne jede Redundanz. Kommt in diesem Fenster eine zweite Platte hinzu, ist der Datenverlust total. Genau deshalb gilt in der Praxis die Faustregel: Ab etwa 8 Platten oder bei Kapazitäten über 2 TB pro Platte ist RAID 6 die wirtschaftlich sinnvollere Wahl, obwohl die Bruttokapazität um eine Platte sinkt.

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