Prüfungsrelevanz: IHK AP1 und AP2, Handlungsbereich „Sicherstellen des IT-Betriebs". Typische Aufgabenstellung: Ein Serverschrank soll gegen Stromausfall abgesichert werden. Die Verbraucher sind bekannt — ermitteln Sie die mindestens erforderliche USV-Leistung und begründen Sie die Auswahl.
Quick Reference
Die Wirkleistung (Watt, W) ist die tatsächlich in Arbeit umgesetzte Leistung. Die Scheinleistung (Voltampere, VA) ergibt sich aus Spannung × Strom und ist immer größer oder gleich der Wirkleistung.
Der Zusammenhang lautet: S = P / cos φ — dabei ist S die Scheinleistung in VA, P die Wirkleistung in W und cos φ der Leistungsfaktor (typisch 0,85–0,95 bei modernen Netzteilen).
USV-Geräte werden immer in VA angegeben. Deshalb muss die Summe der Wirkleistungen zunächst in Scheinleistung umgerechnet werden, bevor die passende USV gewählt wird.
Worked Example: Serverschrank mit 4 Verbrauchern
Schritt 1 — Wirkleistung aller Verbraucher addieren.
| Verbraucher | Wirkleistung P | Leistungsfaktor cos φ | Scheinleistung S = P / cos φ |
|---|---|---|---|
| Applikationsserver | 350 W | 0,90 | 389 VA |
| NAS-System | 120 W | 0,92 | 130 VA |
| Managed Switch | 45 W | 0,95 | 47 VA |
| KVM-Konsole | 25 W | 0,90 | 28 VA |
| Summe | 540 W | — | 594 VA |
Schritt 2 — Reserve einplanen. Für Lastspitzen und Erweiterungen werden 30 % aufgeschlagen:
594 VA × 1,30 = 772 VA
Schritt 3 — Laufzeit berücksichtigen. Die VA-Angabe sagt nichts über die Überbrückungszeit. Für 15 Minuten bei 772 VA ist eine USV-Klasse mit mindestens 1.000 VA / 900 W erforderlich — der Wirkleistungswert (W) der USV muss über der Summe der Verbraucher (540 W) liegen.
Schritt 4 — Auswahl begründen. Gewählt wird eine USV mit 1.000 VA und mindestens 700 W Dauerlast. Reine VA-Betrachtung ohne den W-Wert würde die reale Belastung unterschätzen.
Common Trap
Der Klassiker: W und VA gleichsetzen. Wer für 540 W einfach eine 600-VA-USV kauft, überlastet sie — bei cos φ 0,90 entspricht 600 VA nur 540 W Nennleistung, und die Reserve fehlt komplett.
Zweite Falle: Den Leistungsfaktor der USV mit dem der Verbraucher verwechseln. Die USV hat einen eigenen Ausgangs-Leistungsfaktor (oft 0,9) — dieser begrenzt die maximal entnehmbare Wirkleistung und muss gegen die Verbraucher-Wirkleistung geprüft werden.
Dritte Falle: Die Überbrückungszeit unterschlagen. Die IHK erwartet bei der Begründung immer den Hinweis, dass VA allein keine Aussage über die Laufzeit trifft — dafür ist die Batteriekapazität der USV entscheidend.
Über 1.260 IHK-Prüfungsfragen mit Musterlösungen, Rechen-Assistenten und originalgetreuer Prüfungssimulation — einmalig 5,00 €, keine Abo-Falle: Zum IT Ausbildungs-Lernplattform